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6. Oktober 2012

Klass




Jahr: 2007

Genre: Drama

Regie: Ilmar Raag

Schauspieler: Vallo Kirs, Pärt Uusberg, Lauri Pedaja








Plot:
Joosep ist ein ruhiger, zurückgezogener Junge mit leicht autistischen Zügen. Das macht ihn wohl zum idealen Opfer täglicher Klassenstreiche und –höhne. Im Sportunterricht, beim Basketballspielen bekommt er nicht den Ball zugespielt und wenn er ihn mal hat, sofort wieder abgenommen. Als er den letzten Wurf im Spiel selbst verwirft wird ihm von Anders, einem Klassenkameraden, vorgeworfen, er sei an ihrer Niederlage schuld. In der Umkleide steigern sich die anderen Jungs mit hinein, was darin gipfelt, dass Joosep nackt in die benachbarte Mädchenumkleide geworfen wird. Kaspar, ein weitere Mitschüler, hält die Tür von außen zu. Thea, seine Freundin, versucht sie von innen zu öffnen, was er nach kurzer Zeit dann auch zulässt. Doch Anders sieht dieses Verhalten als Hilfe für Joosep an und ist sauer auf Kaspar. Auf der abendlichen Party kommt es zur handgreiflichen Auseinandersetzung der beiden und am nächsten Morgen ist Kaspars Stuhl mit Farbe beschmiert. Der einzige, weitere freie Stuhl: Neben Joosep. Die Spirale rund um Mobbing, Lügen und Gewalt nimmt ihren unverheißungsvollen Lauf …

Über den Film:
Der Plot beginnt relativ einfach und wie für Filme um Mobbing in Schulen gewohnt. Ein Opfer, der von einem Leitwolf der Klasse niedergemacht wird und alle anderen folgen ihm. Sei es aus ähnlichen Gründen oder aus Angst, selbst Opfer zu werden, wenn sie zögern. Doch der eigentlich interessante Aspekt des Filmes ist die zweite Sicht der Dinge, die von Kaspar. Ihm wird immer mehr klar, was genau da passiert und wie hilflos er der Sache eigentlich gegenübersteht. Der eigentliche Grund dafür bleibt an sich unklar, ob er jetzt Joosep aus der Umkleide helfen wollte oder er die Situation seiner Freundin Thea nicht mehr weiter zumuten wollte ist an sich egal, er zeigt Schwäche. Und wird damit ebenfalls Ziel von Attacken, bei denen er bis jetzt selbst nur zugesehen hatte.
Die Erwachsenen in dem Film, Eltern und auch Lehrer, sehen bei der Sache von außen zu. Zum einen hilflos zum anderen ohne überhaupt zu erkennen, was da eigentlich vor sich geht. Ebenso hilflos fühlt sich der Zuschauer, es wird keine – oder kaum eine – Möglichkeit gezeigt, wie sich Joosep und später auch Kaspar aus ihrer Situation befreien können. „Schlag zurück!“ meint Jooseps Vater – wie denn, allein gegen 5. „Wir müssen mit der Schule reden!“ schlägt Jooseps Mutter vor – aber der Zusammenhalt der Täter lässt auch dieses Vorhaben gegen die Wand laufen und macht die Situation danach nur noch schlimmer. Ebenfalls jeder Versuch der Lehrer, etwas dagegen zu unternehmen oder überhaupt die eigentlichen Verursacher ausfindig zu machen. Sehr gut dargestellt ist auch die Auswirkung auf die Beziehung von Thea zu Kaspar. Der Druck der restlichen Klasse treibt Thea immer weiter von ihrem Freund weg, sie will nicht selbst zum Opfer werden.
Nach drastischen Prügel für Joosep und Kaspar, psychischem Druck und sogar sexueller Demütigung der beiden gipfelt der Film in einem Massaker, als vom Vater immer wieder geforderte Rückschlag doch mal kommt – und es trifft mindestens genausoviel Leute, die mit der Sache überhaupt nichts zu tun haben. Eine Frage bleibt: War das wirklich der einzige Ausweg oder kann der Kreislauf auf andere Weise durchbrochen werden? Offenes Vorgehen? Durchhalten nach dem Motto:

„Ich sterbe nicht. Euch zum Trotze.“

Meinung:
Klass zeigt den erbarmungslosen Sog um Mobbing Schritt für Schritt auf und lässt seine Opfer, genauso wie den Zuschauer, hilflos zurück. Das Verhalten von Tätern, die sich hinter ihrem Leitwolf Anders verstecken und mitmachen – sei es nun aus eigenem Vergnügen oder aus Angst, selbst der Nächste zu sein – bleibt stets nachvollziehbar. Auch die Reaktionen von Joosep und Kaspar sind zu verstehen. Es gibt Situationen, in denen offensichtlich anders gehandelt werden könnte, aber da bleibt die Frage: Hilft das oder macht es das nur noch schlimmer? Letzteres ist oft zu sehen, Versuche Kaspars zu Helfen gehen nach hinten los, Joosep bekommt es nur noch heftiger ab und Kaspar selbst ebenso.

Klass ist eine großartige Studie zum Thema Schulgewalt und Mobbing, das Aufzeigen der Hilflosigkeit gegenüber einem zusammenhaltenden Tätervolk - ein fürchterliches Drama des Alltages.

8. April 2012

No Country for old Men




Jahr: 2007

Genre: Thriller

Regie: Joel & Ethan Coen

Schauspieler: Tommy Lee Jones, Javier Bardem, Josh Brolin








Plot:
Texas, 1980: der Vietnamveteran Llewelyn Moss stößt bei einer Jagdausflug auf den Schauplatz eines gescheiterten Drogendeals. Die Drogen befinden sich noch vor Ort und er vermutet, dass auch das Geld, mit dem diese bezahlt werden sollten, nicht weit sein kann. Nach einer Weile entdeckt er unter einem Baum eine weitere Leiche und das Geld in einem Koffer. Als er nachts nochmal zum Ort des Geschehens zurückkehrt wird er von Mexikanern überrascht und er muss fliehen und gleichzeitig seine Frau in Sicherheit bringen.
Anton Chigurh, ein gefühlloser und kaltherziger Killer, sucht genau diesen Koffer. Dank eines Peilsenders, der sich in ihm befindet, folgt er Moss und hinterlässt eine Spur von Leichen auf seinem Weg, das Geld wiederzubeschaffen.
Ed Bell ist der alte Sheriff in der Region, wie schon sein Vater und dessen Vater vor ihm. Er denkt wehmütig an alte Zeiten zurück, in denen man selbst als Gesetzeshüter nicht mit bewaffnet sein musste und kommt mit der Gewalt heutzutage nicht mehr zurecht. Vor allem mit der Gewalt, die durch Moss und vor allem Chigurh, noch auf ihn zukommen wird.

Über den Film:
No Country for old Men ist was Besonderes, in vielen Belangen. Zum ersten fällt direkt auf, dass der Film komplett ohne Sounduntermalung läuft. Die typischen Samples, um in Thrillern die Spannung aufzubauen fehlen, keine Musik unterstreicht dramaturgische Höhepunkte. Das alleine entfaltet schon eine eigene Atmosphäre, wie man sie von anderen Filmen nicht gewohnt ist. Dazu kommt noch, dass die Story eher gemütlich vor sich her plätschert, großartige Schnelle oder Aktion fehlen fast immer. Man mag jetzt meinen, dass das Ganze doch relativ langweilig ist, aber die Spannung, die No Country for Old Men abseits der gewohnten Pfade aufbaut ist grandios und lässt von Langeweile nichts spüren. Dazu kommen noch großartige, gewaltige Bilder der tristen, texanischen Steppe, dessen gefährlich anmutende Einöde perfekt zum Gefühl des Filmes passt. Neben der tollen Technik der Coen-Brüder fällt auch die schauspielerische Leistung der Akteure, vor allem von Javier Bardem als psychopathischer Auftragskiller Chigurh, auf. Ein eher offenes, aber sehr philosophisches Ende durch die Monologe von Tommy Lee Jones Charakter, der resignierte Sheriff Ed Bell, runden das Gesamterlebnis herrlich ab.

Meinung:
No Country for old Men ist ein toller Neowestern. Interessanterweise mit einem Hollywoodhintergrund und relativ neu, bricht der Film aber mit einigen Konventionen des aktuellen Kino, macht das aber konsequent richtig, dass ein tolles Filmerlebnis dabei herauskommt. Spannung und Atmosphäre durch Handlung und nichts anderes.Geldgier wird zum Motor einer jeden Tragödie, ob sich nun Männer um einen Millionenbetrag oder Jungs um eine kleine Belohnung streiten. Texas ist eben kein Land zum alt werden!

31. Januar 2012

There will be Blood




Jahr: 2007

Genre: Drama

Regie: Paul Thomas Anderson

Hauptrolle(n): Daniel Day-Lewis









Plot:
Daniel Plainview, ehemaliger Silberschürfer in Californien am Anfang des 20ten Jahrhunderts, ist erfolgreich ins Ölgeschäft umgestiegen. Seine teils skrupellose Art, Geschäfte zu machen, verhilft ihm zu recht schnellem Erfolg. Beispielweise, wenn er sich als angeblicher Familienmensch mithilfe seines Sohnes darstellt oder Ahnungslose Grundbesitzer über den Tisch zieht. Alles nur zu einem Zwecke: Geld und Macht erwirtschaften. Nach einem Hinweis eines Anwohners Little Bostons, es gäbe dort ein großes Ölvorkommen, macht er sich auf, dieses zu Erschließen. Doch mit Eli Sunday, dem Sohn des Grundbesitzers und Zwillingsbruder des Hinweisgebers, treffen sich zwei Menschen, die unterschiedlicher und gleichzeitig ähnlicher nicht sein könnten. Das Augenmerk des Priesters der ortsansässigen evangelikalen Kirche liegt ebenso auf der Vergrößerung seiner Macht und seines Einflusses. Der Beginn eines Machtkampfes zweier Männer, der immer größere Opfer fordert.

Über den Film:
Effektmäßig hat der Film, bis auf eine Szene, nicht wirklich was zu bieten. Das hat er allerdings auch nicht nötig. Hauptaugenmerk des Filmes liegt in der Rivalität von Plainview und Sunday, ebenso wie der Tatsache, wie weit beide Männer bereit sind, für den Erfolg zu gehen. There will be Blood ist im Prinzip aus der Ich-Perspektive von Daniel Plainview gedreht, man bekommt mit, was er mitbekommt und sieht das nicht, was er auch nicht sieht oder in der dargestellten Zeit nicht erzählen will. Es wird herausgearbeitet, wie wichtig ihm der geschäftliche Erfolg und die damit einhergehende Macht über die Menschen, die ihm zum größten Teil alle zuwider sind, ist. Ob er sich noch als Schürfer mit gebrochenem Bein und gefundenem Edelmetallbrocken in die Schmiede schleift oder Jahre später sogar buchstäblich über Leichen geht.
Die stellenweise Langatmigkeit mag zum einen nicht gefallen, zum anderen hebt sie durch die Inszenierung die Spannung, die immer weiter aufgebaut wird, hervor und baut diese noch weiter aus.

Meinung:
There will be Blood ist ganz großes Kino mit vergleichsweise kleinem Budget. Der Film weiß auf seine Art sehr zu fesseln, nicht zuletzt durch das grandiose Schauspiel von Daniel Day-Lewis. Er zeigt, was man tun und opfern muss, um schnell sehr erfolgreich zu sein und wie gleichzeitig zum wachsenden Gewinn die Menschlichkeit immer weiter in den Hintergrund rückt.