25. März 2012

Mulholland Drive




Jahr: 2001

Genre: Mystery-Thriller

Regie: David Lynch

Schauspieler: Naomi Watts, Laura Harring, Justin Theroux








Plot:
Betty kommt voller Hoffnung in Los Angeles an. Ihre Tante, eine erfolgreiche Schauspielerin, die zurzeit in Kanada arbeitet, hat Betty ihre Wohnung zur Verfügung gestellt. Dieses nimmt Betty als Anlaufpunkt, um in LA ihre eigene Karriere als Schauspielerin zu starten. Von der Wohnungsverwalterin reingelassen findet Betty eine recht wortkarge Frau vor, die sich als Rita vorstellt. Nach einem kurzen Gespräch mit ihrer Tante Ruth klärt sich der Irrtum Bettys auf, die Rita für eine Freundin ihrer Tante gehalten hatte. Die unbekannte Frau erklärt, sich an nichts mehr erinnern zu können, nicht mal ihren Namen und wie der Haufen Geld in ihrer Handtasche dort hingekommen ist, nur an den Namen "Mulholland Drive". Der Straßennamen und eine Kopfverletzung Ritas bringt Betty auf die Idee, sie könnte in einen Autounfall verwickelt worden sein und die beiden Frauen machen sich daran, Ritas wahre Identität herauszufinden. Nebenbei arbeitet Betty auch noch recht erfolgreich an ihrer Karriere. 
Adam Kesher ist Regisseur und arbeitet gerade an einem neuen Film. In einem Treffen mit offensichtlich zwei wichtiger Männer der Branche erläutern diese Adam, welche Hauptdarstellerin er für seinen Film besetzen müsse. Dieser will sich allerdings nichts vorschreiben lassen und stürmt zornig aus dem Raum. Nur um bei ihm zuhause seine Frau zusammen mit dem Poolreiniger im Bett vorzufinden. Der Regisseur zieht sich in ein schäbiges Hotel zurück um dort von seiner Assistentin zu erfahren, dass er pleite sei, was seiner Meinung aber nicht möglich ist. Sie erzählt ihm auch, dass ein gewisser "Cowboy" sich mit ihm Treffen will. Dieser erklärt ihm, er solle sich beim baldigen Vorsprechen für die Hauptrolle seines Filmes positiv zu Camilla Rhodes äußern soll, der Frau, die ihm beim vergangenen Treffen schon vorgeschlagen wurde. "Diese ist die Richtige!"

Über den Film:
So wie sich der Film in meiner - zugegebenermaßen ziemlich oberflächlicher Zusammenfassung darstellt - ist er erst mal nicht. Allerdings fällt es recht schwer, überhaupt über den Film eine kurze Zusammenfassung zu schreiben, denn entweder bleibt man nicht kurz oder bleibt eben oberflächlich.
Mulholland Drive ist, ganz lynchtypisch, kein einfacher Film und somit nichts für Zwischendurch. Der Filmfan muss sich im Klaren sein, was er gerade sieht und vor allem, was er im Kontext neuer Erkenntnisse gesehen hat. Bis zu einem gewissen Zeitpunkt scheint der Film eine Art seichtes Drama zu sein, eine Darstellung des Lebens dreier Menschen. Nur manche Szenen, die zwischendurch zu sehen sind, scheinen nicht unbedingt einzuordnen zu sein. Da ist zum Beispiel die mafiaartige Vereinigung, die unbedingt verhindern will, dass Adam seine eigene Entscheidung über die Hauptrollenbesetzung trifft und ihm vorschreiben will, wen genau er jetzt wählen soll. Oder ein Psychologengespräch zweier Männer und ein Raubmord, die sich bis kurz vorm Ende nicht wirklich einordnen lassen.
Man könnte jetzt mit langen und weiten Ausschweifungen sehr weit ins Detail gehen, was in gewisser Weise auch ganz interessant sein könnte, aber das führt an dieser Stelle zu weit, vor allem, weil sich wohl keine wirklich hundertprozentige Interpretation finden wird. Handelt es sich hierbei nun um eine surreale Version von Los Angeles und der Filmindustrie, dargestellt als ein großes, unverständliches, fast kafkaeskes Individuum, oder um den Traum einer gescheiterten Künstlerin, die sich ihren Fehlschlag schön redet?

Meinung:
Mulholland Drive kann jedem Filmfan nahegelegt werden, der sich gerne lange Gedanken über einen Film macht, den man nicht direkt auf Anhieb - wenn überhaupt - versteht. Es ist eine alptraumhafte Darstellung des amerikanischen Traumes und der, oberflächlich gesehen, Traumfabrik Hollywood, als die sich die Industrie dort sehr gerne darstellt. Ein paar Glückliche haben Erfolg und der Rest bleibt auf der Strecke und muss zusehen, wie er damit klar kommt. Die lynchtypische Filmästhetik tut ihr übriges. Das hässliche Gesicht Hollywoods wartet hinter jeder Hofecke.

9. März 2012

Der Tintenfisch und der Wal




Jahr: 2005

Genre: Tragikomödie

Regie: Noah Baumbach

Schauspieler: Jeff Daniels, Laura Linney, Jesse Eisenberg, Anna Paquin








Plot:
Familie Berkman aus Brooklyn, New York 1986: Auf den ersten Blick eine normale, glückliche Familie. Vater Bernard ist ein erfolgreicher Schriftsteller und seine Frau Joan schafft gerade mit ihrer Schreiberkarriere den entscheidenden Schritt. Der 16 jährige Sohn Walt entdeckt seine Leidenschaft für das künstlerische, vor allem die Gitarre und interessiert sich nebenbei für Literatur. Frank, 12, findet Gefallen am Tennisspiel mit seinem Trainer Ivan und den Spielen mit der gesamten Familie. Doch das Glück ist trügerisch, nach kurzer Zeit offenbaren die Eltern ihren Kindern, dass sie sich scheiden lassen. Überrumpelt von dieser Mitteilung versuchen die Söhne ihren auch nicht ganz rund laufenden Alltag zu bewältigen. Walt, der sehr von seinem dominanten und starken Vater beeinflusst wird, gibt vor, all die Literatur zu kennen, die dieser als gut und lesenswert erachtet und jongliert amateurhaft mit einzelnen Fachbegriffen über diese Bücher, ohne sie überhaupt selbst gelesen zu haben. Frank wiederrum, an der Schwelle zur Pubertät, wird zunehmend aggressiver, weiß nicht, mit seinem aufkeimenden Sexualtrieb umzugehen und fängt an, heimlich Alkohol zu trinken. Joan und Bernard teilen sich das Sorgerecht, das die Kinder unter der Woche regelmäßig zu beiden hin und herschickt. Während Joan gefangen zwischen der alten Ehe und neuer Liebe, dem Tennislehrer Ivan, sieht Bernard ihren Erfolg und seinen zunehmenden Misserfolg als Autor als Grund für die Trennung und wirft ihr das vor.

Über den Film:
Der Tintenfisch und der Wal zeigt alltägliche Probleme einer Scheidung für alle Beteiligten zu einer Zeit, in der eine Trennung noch nicht so normal war wie jetzt. Mit viel Gefühl ist zu sehen, wie die jeweiligen Personen weiterzuleben, aber die Tatsache sich doch immer wieder in ihr Leben schleicht. Beispielsweise wie die Brüder sich, genau wie die Eltern, immer weiter voneinander entfernen. Walt, der nach kurzer Zeit nur noch bei seinem Vorbild, seinem Vater leben möchte und versucht, ihn zu beeindrucken und Frank, der zwar immer mehr die teils cholerische Art seines Vaters annimmt, mit ihm selbst aber immer weniger zurechtkommt. So lernt Walt Pink Floyds „Hey You“ zu spielen und zu singen und gibt es als seine eigene Komposition aus. Auch in Sachen Frauen ist er hin und hergerissen. Während sein Vater meint, mit seiner ersten Freundin könne er ja mal ein paar Sachen ausprobieren, wäre ja eh nichts festes, ist Walt selbst noch nicht wirklich bereit, diesen Schritt zu machen. Frank, der heimlich trinkt und anfängt, seinen Tennislehrer zu beleidigen, wenn er verliert, entwickelt sich zunehmend von seinem Vater weg, ist aber auch über das Verhalten der Mutter, die offen mit ihrer Sexualität umgeht, sehr verwirrt. Gerade der Alkohol ist ein großer Kritikpunkt, den ich zu dem Film habe, man sieht Frank trinken, erst Bier, später Whiskey, aber wirklich weiter darauf eingegangen wird nicht. Das wäre, wie ich finde, aber definitiv nötig. Generell geht der Film zwar auf sehr vieles ein, aber die letzten Schritte fehlen manchmal. Als sich Bernard der Studentin Lili, die kurzzeitig bei ihm wohnt, nähert, auch gegen ihren Willen zum Beispiel. Zwar passiert nicht wirklich was, aber die Szene selbst hätte noch ein wenig mehr Aufmerksamkeit verdient. Sie stellt zwar die Dominanz, die der Vater generell auszustrahlen versucht, gut dar, aber sie dann einfach nur fast kommentarlos ausziehen zu lassen ist etwas wenig.
Technisch und schauspielerisch gibt es an Der Tintenfisch und der Wal nichts auszusetzen, mir gefällt vor allem der Versuch, den Film wie einen typischen aus den Achtzigern aussehen zu lassen.

Meinung:
Der Tintenfisch und der Wal ist ein trauriger Blick auf die Realität einer zerrütteten Ehe. Abgesehen von einigen Schwächen zeigt er mit einer passenden, melancholischen Note, die Situation, in der jeder der Familie, aber auch Freunde derer geworfen werden. Man fühlt die autobiographische Note des Regisseurs in jeder Minute und nimmt ihm ab, zu wissen, worüber er berichtet.

5. März 2012

I saw the Devil




Jahr: 2010

Genre: Thriller

Regie: Jee-woon Kim

Schauspieler: Lee Byung-hun, Choi Min-sik









Plot:
Die Tochter des Ex-Polizeipräsidenten Jang wird entführt und brutal ermordet. Der Täter, Kyung-chul, ist ein Serienmörder und gefährlicher Psychopath, der es bis jetzt erfolgreich geschafft hat, mit seinen Taten ungefasst davonzukommen. Kim Soo-hyeon, Geheimagent und kürzlicher Verlobter seines letzten Opfers, schwört an ihrem Grab blutige Rache, der Täter solle so sehr leiden, wie sein Opfer. Mithilfe seines Fast-Schwiegervaters bekommt er die Akten der vier Hauptverdächtigen und macht sich auf den Weg, seine Rache zu bekommen. Die ersten Beiden misshandelt er grausam, nur um herauszufinden, dass sie nicht die Täter waren. Die Adresse des Dritten, bei dem es sich um Kyung-chul handelt, führt zu seinem Elternhaus, in dem auch sein Sohn lebt. Dieser kann ihm seinen jetzigen Aufenthaltsort verraten. In der kleinen Hütte findet Kim in einem Schrank Damenhandtaschen, BHs und Schuhe vor, und auch der Verlobungsring Jangs, den sie im Keller verloren hatte und er merkt, dass er den Täter – beziehungsweise sein Opfer – gefunden hat. Später, als Kim zurückkehrt, findet er Kyung vor. Dieser hat gemerkt, dass man ihm dicht auf den Fersen ist. Er ist über ein junges Mädchen gebeugt, das er bei seinem eigentlichen Job als Schulbusfahrer entführt hat, vergewaltigen und ebenfalls töten will. Kim überwältigt Kyung, schlägt ihn brutal zusammen und kurz bevor er ihn töten könnte, steckt er ihm einen Peilsender in Form einer Tablette in den Hals und lässt ihn mit einer Menge Geld zurück. Das Spiel hat gerade erst begonnen.

Über den Film:
I saw the Devil ist ein Racheepos, wie man ihn in koreanischer Manier gewöhnt ist. Brutal und kompromisslos. Wie schon in Park Chan-wooks Rachetrilogie mutiert der geschädigte zu einem Mann, der sich mit der Fahne der Selbstjustiz ihren Weg zur Wahrheit durchschlägt. Jee-woon Kims Film geht da allerdings noch einen Schritt weiter. Die nietzschehafte Entwicklung des Protagonisten ist immer zu bemerken, sodass sogar der eigentliche Täter und Psychopath seinen Jäger als solchen bezeichnet und stellenweise Angst vor ihm bekommt. Gefühllos, fast katatonisch, schlitzt sich Kim Soo-hyeon erst zu dem Täter/seinem Opfer vor, nur um ihn dann immer weiter zu quälen und gleichzeitig neue Gräueltaten von ihm zu verhindern. Was folgt ist ein gnadenloses Katz-und-Maus-Spiel und ein Kräftemessen zweier Männer, die nichts mehr zu verlieren haben, außer das Spiel selbst.

Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zusehn, dass er nicht bei zum Ungeheuer wird.
Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein
Friedrich Nietzsche

Brutal und kompromisslos ist I saw the Devil und das weiß der Regisseur auch sehr gut darzustellen. Teils sehr drastische Darstellungen von Gewalt sind zu sehen, wie man es von ostasiatischen Filmen dieser Art gewohnt ist und erwartet.


Meinung:
Rache um jeden Preis. Fühlt man anfangs noch mit dem Protagonisten mit und gönnt ihm seinen Feldzug, merkt man allerdings bald, wie sehr er sich selbst in die Täterrolle setzt und wie brutal er seinen Weg geht. Insgesamt ist I saw the Devil aber ein großartig inszenierter Racheepos, der mit Brutalität allerdings nicht geizt. Die nietzschehaften anleihen tun ihm sehr gut und bereichern die Idee, die schon oft aufgegriffen wurde, um vieles!

2. März 2012

Gummo




Jahr: 1997

Genre: Dokudrama

Regie: Harmony Korine

Schauspieler: Jacob Reynolds, Chloe Sevigny







Plot:
Anfangs wird von einem Wirbelsturm berichtet, der die Kleinstadt Xenia in Ohio vor einer Weile verwüstet hat. Die Menschen dort mussten dabei schreckliches mitansehen, beispielsweise wie ein Mann, nachdem er erfasst wurde, mit herausstehenden Knochen auf dem Boden gelandet ist oder ein Hund, der sich in einer Fernsehantenne verfangen hat.
Der restliche Teil des Filmes berichtet vom Leben der Leute, vor allem der Kinder und Jugendlichen, in Xenia. Da wären zum Beispiel Solomon und Tummler, die Jagd auf streunende Katzen machen, um sie dann an den örtlichen Fleischhändler zu verkaufen. Oder die Schwestern Darby und Dot, welche sich anscheinend nur um ihr Aussehen und ihre Katze Food Food kümmern und sorgen. Ein Junge, der nur in mit einer Hose und dem Kopfteil eines großen, rosanen Hasenkostüm bekleidet ist, vertreibt sich die Zeit mit verschiedenen Dingen, wie von einer Brücke pinkeln und spucken. So vergeht die Zeit in Xenia, ohne das viel passiert bis auf die eigenen, hausgemachten Probleme.

Über den Film:
Der Plot ist etwas verwirrend und unzusammenhängend? So ist das auch wohl mehr oder minder von Gummo gewollt. Der ganze Film ist mehr im Stile einer Dokumentation aufgezogen, so werden zum einen immer wieder die gleichen Menschen gezeigt, was sie gerade tun und denken, und das abwechselnd, mal Solomon und Tummler, mal Darby und Dot, mal der Hasenjunge oder mal ein Treffen mit anderen Leuten beim Kräftemessen im Armdrücken beispielsweise. Unterstrichen wird der Dokucharakter von Gedankeneinblendungen der einzelnen Figuren, vor allem der beiden Katzenjäger, die aus ihrer Vergangenheit und ihrem jetzigen Leben erzählen. Ebenso ist die Technik an sich eher schlicht und teilweise amateurhaft mit wackelnder Kamera und Super 8 Filmen gehalten. Dies zusammen ergibt den Eindruck, man sähe hier tatsächlich das Leben in einer amerikanischen Unterschicht-Kleinstadt, bei der der geflügelte Begriff „White-Trash“ ziemlich genau zutrifft. Vor allem auch, da die Schauspieler fast allsamt Leien sind, die sich einfach selbst zu spielen scheinen.
Die sich so entwickelte Gesamtsituation scheint durch die vergangene Tragödie des Wirbelsturms ausgelöst worden zu sein, den die Bevölkerung des Städtchens wohl nie wirklich verarbeitet hat und sie jetzt einfach so vor sich hinleben, verrohen und vor allem gegen die Langeweile ankämpfen.
Zusammen mit einem eher unkonventionellen Soundtrack, der tief in die Black Metal Kiste greift und so in manchen Szenen Lieder von Bathory oder Niefelheim einspielt oder Gedankenszenen mit Burzums Ambientestück „Rundgang um die transzendentale Säule der Singularität“ hinterlegt werden, schafft eine ganz eigene und eigenartige Atmosphäre, die einen zugleich fasziniert aber auch abschreckt.

Meinung:
Harmony Korine hat eine eigene, seltsame Art des Filmemachens. Nach seinem Drehbuchdebüt Kids, das vom Grundthema der verrohenden Jugendlichen, ihren Situationen und wie sie damit umgehen, recht ähnlich ist, führte er hier selbst Regie. Die Situation hat mich teilweise an (eine abgeschwächte Version) der Spielereihe „Fallout“ erinnert. Nach der Katastrophe versuchen die Menschen weiterzuleben und damit klarzukommen, was passiert ist, wobei sich eine eigene Struktur und Kultur entwickelt. Da es gleichzeitig auch einen autobiographischen Ansatz Korines gibt, bleibt die Frage offen, inwiefern und ob sich eine solche Welt am Rande der Gesellschaft wirklich entwickelt. Seltsam und auf eine eigene Art faszinierend.


1. März 2012

Audition




Jahr: 1999

Genre: Horrorthriller

Regie: Takashi Miike

Schauspieler: Ryo Ishibashi, Eihi Shiina








Plot:
Shigeharu Aoyamas Frau stirbt und lässt ihn mit dem gemeinsamen, kleinen Sohn zurück. Sieben Jahre später überredet der Sohn den Vater, mit dem Argument, er sähe alt und depressiv aus, wieder zu heiraten. Mit hohen Ansprüchen an die Zukünftige und keiner Ahnung, wie er sie kennenlernen soll, lässt sich Aoyama auf den Vorschlag eines Freundes ein: Für einen fiktiven Film soll es vorsprechen für die weibliche Hauptrolle geben und unter den Bewerberinnen soll er sich seine Frau aussuchen. Schon in den Bewerbungsunterlagen entscheidet der Witwer sich für ein Mädchen, Asami Yamazaki. Diese führt er aus und lernt sie kennen. Doch mit der Zeit schleichen sich Ungereimtheiten in die Angaben der Auserkorenen. Genauso sieht man Asami in immer längeren Einblendungen in seltsamen Posen, wie in einem leeren Raum vor einem Telefon kauernd, nur auf Aoyamas nächsten Anruf wartend und labil grinsend, wenn dieser kommt. Bald verschwimmen die Grenzen zwischen den zwei Welten, in der Asami einmal die herbeigesehnte Traumfrau und ein andermal der personifizierte Horror ist. Nicht sicher, was Real und was Fiktion versucht Aoyama in Erfahrung zu bringen, wer seine Angebetete denn nun wirklich ist.

Über den Film:
Über Audition fällt es schwer, etwas Konkretes zu schreiben. Was als mehr oder weniger harmlose Liebesfloskel anfängt, endet in einem Verwirrspiel zwischen zwei parallelen Realitäten, von denen weder der Zuschauer noch der Hauptcharakter selbst wirklich weiß, was jetzt wirklich passiert und was ein Traum oder Einbildung ist. Plätschert der Film anfangs ziemlich gemächlich, fast etwas langweilig vor sich hin, streuen sich mit der Zeit kurze, verstörende Szenen ins Geschehen, die das grausame Ende langsam aber sicher andeuten. Zeitsprünge verwirren des Weiteren noch mehr. Beispielsweise springen Aoyama und Asami bei einem Date in Konversation und Ort von Einem zum Anderen. Später greift Audition das auf, um wieder dorthin zugehen und fügt weitere Gesprächsfetzen hinzu oder ändert schon gesagtes ab.
Was genau geschieht oder eher, was genau wirklich Real ist, beantwortet der Film nicht. Es bleibt offen oder dem Zuschauer überlassen, ob es sich um einen Alptraum handelt, aus dem sich das Opfer versucht herauszuträumen, oder um das schlechte Gewissen Aoyamas, dass aufgrund der Lüge, die zum Kennenlernen geführt hat, ihn in seinem vermeintlichen Erfolg immer wieder mit Alpträumen und schrecklichen Visionen plagt.

Meinung:
Audition ist, wie mehrfach geschrieben, ein ziemlich verwirrender Film. Gleichzeitig ist er auch sehr brutal bis eklig, erinnert er in mancher Darstellung an den ersten Saw (mit dem der Film im Ganzen aber auf keinen Fall vergleichbar ist). Er ist in seiner Art ein typischer japanischer / ostasiatischer Streifen, welche zugegebener Maßen nicht unbedingt immer meine ist. Aber dennoch lohnt es sich immer mal wieder, über seinen Rand und solche Filme zu schauen.
Japanisches Verwirrspiel zwischen Liebe, Hass, Verlangen und Brutalität.

21. Februar 2012

II - Erkenntnisse ...



… nach 10 Filmen.
Ok, nicht direkt 10. Von meiner Liste habe ich schon, bevor ich begonnen habe darüber zu bloggen, einige mehr gesehen (sogar schon 29). Aber erst durch die 10, die ich gesehen, etwas durchdacht und in Form eines Reviews beschrieben habe, ist mir die Möglichkeit besser gegeben, einen etwas globaleren Blick auf die Dinge zu entwickeln.

A Serious Man
Erstmal finde ich es großartig, dass neben dem üblichen Hollywoodkino noch so viel Platz für Nieschenfilme besteht. Vor allem in Europa, aber auch in Amerika. Die bis jetzt gesehenen Filme sind größtenteils Dramen oder Thriller. Sie reißen mich um einiges mehr mit, als große Blockbuster-Produktionen. Diese warten zwar mit einem gewaltigen Budget und großen Namen auf, aber über die üblichen 90 – 120 Minuten heraus wissen selten weiter zu unterhalten. Sie sind - bis jetzt - allsamt relativ realistisch gehalten. Oft mit Bezug zu menschlichen Problemen, wie Drogen (Naked Lunch), Missbrauch (Mysterious Skin) oder Sinnsuche (A Serious Man). Auch Gefühlen wie Trauer (Antichrist) und Begierde (Happiness) werden behandelt. Das macht sie für mich als Zuschauer, wenn ich ihnen denn die Chance gebe, viel zugänglicher. Viele Möglichkeiten, sich irgendwie wiederzufinden oder etwas aus dem Film mitzunehmen ist damit auch mehr gegeben. Oft ganz im Gegensatz zu Lone – Ranger Actionfilmen oder hochstilisierten, aber höchst unrealistischen Liebesfilmen. Diese kommen zwar auch über die Gefühlsschiene, aber auf eine andere Weiße. 

Menschenfeind
Mir kommt oft der Vergleich von Film zu einem abstrakten Objekt in den Sinn. Das, je weniger Kanten es hat, auch mit weniger kollidiert, dafür aber blass und ohne wirkliche Kontur bleibt. Filmfirmen versuchen natürlich, mit ihrem Produkt einen möglichst hohen Gewinn zu erwirtschaften. Das ist ihnen auch nicht zu verdenken. Aber dafür opfern sie meist so viel. Sie versuchen eben, den Film für möglichst viele oder idealerweise alle gefällig zu gestalten. Übrig bleibt eine kurze Zeit der Unterhaltung für die Spieldauer des Filmes. Nicht weniger, aber leider auch nicht mehr. Hat das Objekt mehr Kanten und Spitzen, wird es mit viel anecken und Kontroversen hervorrufen. Die sind wohl nicht im Sinne der Geldmaschinerie. Allerdings zeigt sich mit denen erst ein, wenn nicht das, Potential des Mediums Film auf. Neben der Unterhaltung wäre das meiner Meinung nach nämlich die Darstellung der Probleme der Protagonisten und wie sie auf ihre Art versuchen damit umzugehen. Auch wenn diese oft nicht wirklich die Korrekte ist. Dabei sollte immer die Möglichkeit zur Interpretation und Reflexion wahrgenommen werden. Es ist sehr einfach, kontroverse Filme (wie z.B. Menschenfeind) zu verdammen. Diese stellen kranke und perverse Fantasien und Gedanken in den Vordergrund und verurteilen sie nicht direkt. Aber das ist nicht immer Aufgabe des Mediums, sondern die des Konsumenten. Wenn dieser angewidert ist von dem, was der Film zeigt, hat er vielleicht genau das geschafft, was die Intention seines Schöpfers war. Und wenn das alles dann noch in nachvollziehbarem Rahmen geschieht, mag das umso weniger gefallen. Ich meine damit, wenn man mitbekommt, warum der Charakter in das Loch gefallen ist, in dem er sich befindet und warum er nicht mehr hinauskommt. Vielleicht sieht der Protagonist nur noch ein Ausweg und somit sieht der Zuschauer auch nur diesen. Es wird ihm gnadenlos gedanklich keine andere Möglichkeit mehr gegeben, ein Hintertürchen zu finden. Das ist aber umso besser für die Dramatik des Films, der einen jetzt vollkommen in sich hineingezogen hat. Das ist Kunst! Wobei man sich auch in den Interpretationen verlieren kann und Dinge sehen will, die nicht da sind. Nur um das Gesehene aufzuwerten und seine Daseinsberechtigung zuzusprechen. Wobei diese eigentlich bei jedem Film, egal welcher Art, gegeben sein sollte.

Antichrist
Die Kunst als Opfer des Geldes. Schön, wenn es aber dennoch so viele Filmemacher gibt, die Wert auf den künstlerischen Aspekt legen. Dies ist ihnen wichtiger als die möglichst hohe Gewinnabschöpfung zu erwirtschaften und ihre Kunst nur noch als Massenprodukt verkaufen. Ich freue mich auf viele weitere, neue Filme dieser Art, nicht nur die der Liste.

20. Februar 2012

Antichrist




Jahr: 2009

Genre: Psychothriller

Regie: Lars von Trier

Schauspieler: Willem Dafoe, Charlotte Gainsbourg








Plot:
Während des ehelichen Beischlafens im Badezimmer klettert Nic, der kleine Sohn des nicht näher benannten Ehepaares, aus seinem Laufstall und über einen Stuhl auf den Fenstersims des offenen Fensters. Er fällt und stirbt. Bei der Beerdigung fällt die Frau in Ohnmacht, wird ins Krankenhaus eingeliefert, in dem sie mit Medikamenten gegen ihre Trauer und ihre Selbstvorwürfe behandelt wird. Der Mann, selbst Therapeut, ist mit dieser Methode nicht einverstanden, da sich selbst nach einem Monat keinerlei Zustandsbesserungen zeigen und beschließt, sie ab sofort selbst zu therapieren.
Nach den ersten, teils vergeblichen Versuchen beschäftigt er sich mehr damit, wovor die Frau Angst hat, was nach ihren Angaben der Wald, in dem sie sich früher wohl gefühlt hat, ist, genauer gesagt, Eden, eine kleine Hütte im Wald, in der sie früher schon gewesen waren. Damit sie sich ihrer Angst stellt, was, laut ihm, ihrem Prozess der Trauerbewältigung beiträgt, machen sie sich auf dorthin. Unterwegs bereitet er sie mithilfe von Gedankenexperimenten auf den Besuch in Eden vor und dort angekommen will der Mann mit der eigentlichen Therapie beginnen. Doch dort merkt er, dass nicht nur ihre Angst der Heilung im Wege steht. Nach und nach entfaltet sich eine Spirale von Sex und Gewalt zwischen den Beiden und selbst die ganze Natur scheint sich gegen sie zu richten, während er immer tiefer zum eigentlichen Grund der Probleme vordringt.

Über den Film:
Antichrist ist kein Film für zwischendurch und eigentlich auch kein Film, den man nur einmal sehen kann, um ihn zu begreifen. Allerdings bleibt er auch bei mehrmaligem sehen immer noch recht rätselhaft und man – oder zumindest mir – erschließt sich nicht alles, was dieser Film aussagt. Und dies tut er, ohne wirklich aufgesetzt oder überkonstruiert zu wirken oder einem den Eindruck zu vermitteln, allein überkompliziert zu sein, ohne dass wirklich etwas dahintersteckt.
Alles in allem geht es um Trauer und Angst und um die Bewältigung derer. Der Film ist in vier Kapitel, Pro- und Epilog aufgeteilt, wobei die Kapitel nach den (vereinfachten) Stufen der Trauerbewältigung benannt sind, hier Trauer, Schmerz, Verzweiflung und dem Höhepunkt, in dem alle drei Gefühle aufeinandertreffen. Die drei Bettler, die diese Stufen symbolisieren, kommen in Form von einem Reh, dass seine Fehlgeburt erlitten hat, einem Fuchs, der sich selbst aufisst und einem Raben, der von den Toten aufersteht, die der Mann im Film sieht. Dabei ist zu beobachten, wie die Frau die verschiedenen Phasen durchlebt, was durch eine gewaltige Bildsprache gezeigt und somit zusätzlich dem Zuschauer nahe gebracht wird. Insgesamt ist die Darstellung von Gefühlen sehr bildlich und es werden immer wieder im ersten Moment befremdliche und irreale Szenen eingespielt, die von Gefühlsbeschreibungen der Frau erklärt werden.
Was man jetzt allerdings genau sieht, bleibt immer Interpretationssache, beispielsweise, ob es sich tatsächlich um einen Mann handelt, der versucht, seine Frau zu therapieren und dran fast zugrunde geht oder um eine metaphorische Darstellung von Gefühl (die Frau) und Vernunft (der Mann), die versuchen, mit schmerzlichen Emotionen wie Trauer und Ängsten umzugehen. So erkennt die Vernunft, welche Phasen gerade durchlebt werden und kommt mit der Zeit darauf, was genau der Grund für die Verzweiflung ist, wird aber vom Gefühl daran gehindert, diese zu überwinden. Oder vielleicht darf man das Ganze auch nicht so schwarz-weiß betrachten und es ist beides und noch mehr zu sehen.
Unterstützt durch eine gewaltige Szenerie und mit Defoe und Gainsbourg, die beide eine grandiose Darstellung liefern, entfaltet sich ein ganz eigener Charme des Bizarren.

Meinung:
Ein Film über und mit Trauer, dem Umgang und der Überwindung derer. Die explizite Darstellung von Sex und Gewalt sind weniger eigentliches Element von Antichrist, sondern vielmehr Ausdruck des Konfliktes, der zwischen den Gegensätzen herrschen. Sie können nicht ohne, aber noch weniger miteinander. Es baut sich eine ganz eigene, grandiose Harmonie des Horrors auf, die mich als Zuschauer nicht mehr loslässt und anfangs verwirrt zurücklässt. Ein absolut sehenswerter Thriller aus der Hand des kontroversen Regisseur Lars von Trier, der nicht zum Interpretieren und Reflektieren einlädt, sondern geradezu dazu auffordert! - Die Ästhetik des Grotesken.

17. Februar 2012

Menschenfeind




Jahr: 1998

Genre: Thriller

Regie: Gaspar Noé

Schauspieler: Philippe Nahon








Plot:
Zuerst wird die Vorgeschichte, die im Kurzfilm Carne gezeigt wird, kurz angerissen und etwas erweitert. Der Metzger, dessen Eltern in einem deutschen KZ ums Leben gekommen sind, wurde von der Mutter der gemeinsamen Tochter verlassen. Jahre später hegt er den Verdacht, Cynthia, seine Tochter, sei vergewaltigt worden und richtet den mutmaßlichen Missetäter übel zu, worauf er ins Gefängnis kommt. Er muss Metzgerei und Wohnung verkaufen und kann nach seiner Entlassung seiner Tochter nicht mehr wirklich unter die Augen treten, worauf er sich mit einer Barbesitzerin, die er geschwängert hat, in ein neues Leben aufmacht, mit dem Versprechen, sie finanziere ihm eine neue Metzgerei.
Am Anfang der Geschichte von „Menschenfeind“ lebt der Metzger mit seiner schwangeren Freundin, die er nur die Dicke nennt, bei  deren Mutter, die Alte, in einem Vorort nördlich von Paris. Da der Protagonist vom Geld der Dicken abhängig ist, die keinen Hehl mehr daraus macht, dass sie ihm wohl doch nicht die versprochene Metzgerei kauft, erniedrigt sie ihn und zwingt den Metzger diverse andere Jobs anzunehmen. Als dieser sich das nicht mehr gefallen lassen will kommt es zum handfesten Streit zwischen den Beiden und er tritt ihr in den Unterleib und prügelt auf sie ein. Daraufhin flieht er mit 300 Francs und einer Pistole mit drei Kugeln zurück nach Paris. Dort mietet er sich in das Hotelzimmer ein, indem er seine Tochter gezeugt hat und versucht sich durchzuschlagen, muss aber feststellen, dass ihm niemand helfen will. Kein alter Freund kann oder will ihn unterstützen und Arbeit bekommt er aus verschiedenen Gründen auch keine. In diese Sackgasse getrieben entwickelt der Metzger seinen Hass auf die Menschheit und alles, was mit ihr zu tun hat, immer weiter. Das einzige auf der Welt, was ihm noch etwas bedeutet, ist Cynthia, seine Tochter. Er beschließt, dass er etwas an den Dingen ändern muss.

Über den Film:
Menschenfeind spielt sich fast ausschließlich im Kopf des Metzgers ab. In fast allein Einstellungen ist sein Gesicht oder Teile davon zu sehen und der Film wird von gedanklichen Monologen des Protagonisten dominiert. Diese beziehen sich meist auf das gerade erlebte und sind durchzogen von depressiven, nihilistischen, soziopathischen, teils rassistischen und vor allem misanthropischen Gedanken geprägt. So reduziert er beispielsweise anfangs das Leben an sich auf die drei Punkte „Leben, Fortpflanzen, Sterben“ und ist froh, seinem zweiten Kind diese Hölle erspart zu haben. Er verneint Liebe und Zuneigung und ist der Überzeugung, das sind nur Begriffe um sich mit diesen an anderen zu bereichern. Gerechtigkeit und Moral sollte jeder für sich selbst definieren und das System, das aufgrund dessen, das es von ihm Unbekannten und schon längst verstorbenen Menschen geschaffen sei, sei abzulehnen. Es ist seiner Meinung nach unfair, da das Ungleichgewicht zwischen Arm und Reich zu groß und unüberwindbar ist. Da sei es nur verständlich, wenn die erniedrigten Armen ab und an mal gewalttätig werden.
Immer wieder gibt es Einblendungen von Wörtern oder Schriftzügen, die wie ein Gewehrschuss auf den Zuschauer treffen, um gedachtes oder gesehenes zu Untermauern. Passieren tut sonst relativ wenig, der Film ist, wie schon geschrieben, fast ein einziger Monolog des Metzgers, der über die Zeit hin seine eigene Philosophie über das Leben entwickelt und versucht, damit zurechtzukommen und sich an das einzige hält, für das er wirklich Liebe empfinden kann. Doch was ist der gerechte und moralischste Ausweg für sie und ihn in dieser Situation?

Jedem seine Moral. Jedem seine Gerechtigkeit.

Meinung:
Gaspar Noés Fortsetzung seines Kurzfilms Carne ist stilistisch dem recht ähnlich. Es geht um einen Menschen, der mit einer sich immer weiterentwickelnden, misanthropischen Haltung versucht durchs Leben zu kommen. Dabei sind manche Szenen nicht leicht zu verdauen. Nicht ohne Grund gibt es gegen Ende des Films eine Einblendung: „Sie haben30 Sekunden um die Vorführung dieses Films abzubrechen. GEFAHR!“. Die darauf folgende Szene ist tatsächlich sehr krass. Wer hier jetzt Splatter und Gore im Stile von SAW erwartet, der sollte sich den Film nicht ansehen. Es folgt ein Höhepunkt, der zwar auch blutig, aber vor allem geistig brutal ist und nicht für jeden leicht zu verdauen sein sollte.
Menschenfeind wird nicht jedem gefallen, aber er ist es wert, geschaut zu werden. Wie man mit dem Gesehenen umgeht, dass muss jeder für sich alleine entscheiden.

16. Februar 2012

Carne






Jahr: 1991


Genre: Thriller

Regie: Gaspar Noé

Schauspieler: Philippe Nahon








Plot:
Der Hauptcharakter – im Film nur als „Metzger“ bezeichnet – wird von seiner Frau verlassen, kurz nach der Geburt der gemeinsamen Tochter Cynthia. Die Frau wollte das Kind nicht und hat eine offensichtliche Abneigung schon während der Schwangerschaft entwickelt.
Jahre vergehen, in denen der Hauptcharakter in seiner Pferdemetzgerei in Frankreich arbeitet und das Mädchen, für ihn viel zu schnell, aufwächst. Cynthia spricht nicht und ist auch sonst sehr unselbstständig, weswegen der Metzger ihr viel Zeit und Aufmerksamkeit widmen muss, was er aber gerne tut. Eines Tages bekommt sie ihre erste Regel und hat dadurch einen Blutfleck auf ihrem Rock, womit sie aber nicht viel anfangen kann. Ein Nachbar berichtet, als der Protagonist sie sieht, er habe sie mit einem Bauarbeiter gesehen, der sie bedrängt hat. Daraufhin sucht der Metzger den erstbesten Arbeiter, sticht ihn mit einem Messer in den Mund und schlägt auf ihn ein. Für sein Verbrechen kommt er ins Gefängnis, muss Wohnung und Metzgerei verkaufen und Cynthia in eine Pflegefamilie. Dort entwickelt er Hass und Abneigung gegen die Menschheit, das einzige, was ihm noch etwas bedeutet ist seine Tochter.

Über den Film:
Carne – so wird auch da rotblaue Pferdefleisch bezeichnet, das außer in Frankreich verboten ist – ist sehr brutal und avantgardistisch aufgezogen. In einer der ersten Szenen sieht man, wie ein Pferd geschlachtet wird und darauf, wie der Metzger ein Stück dessen gekochten Fleisches ist. Die Aufnahmen sind teilweise sehr ungewöhnlich, so sieht der Zuschauer oft nur Mund und Nase der Figuren. Schnelle Schnitte verstärkt mit Lauten Geräuschen kommen sehr häufig vor.
Es handelt sich hierbei um einen Kurzfilm von circa 40 Minuten und ist die Vorgeschichte von „I stand Alone“ beziehungsweise „Menschenfeind“

Meinung:
ACHTUNG Dieser Film beinhaltet schockierende Bilder und eine grobe Sprache. So der Hinweis am Anfang von Carne. Und das zu Recht, ein paar Szenen sind sehr explizit dargestellt und gewollt brutal. Gaspar Noés Kurzfilm zeigt die Rache eines Vaters, der immer mehr vom Schlechten der Menschen und der Unsinnigkeit des Lebens überzeugt ist. Ich bin auf die Fortsetzung gespannt!

Naked Lunch




Jahr: 1991

Genre: (Semi-) Biografie

Regie: David Cronenberg

Schauspieler: Peter Weller, Judy Davis, Ian Holm









Plot:
William Lee lebt im New York der fünfziger Jahre und ist Kammerjäger von Beruf. Zur Schädlingsbekämpfung nutzt er ein gelbliches Pulver, welches ihm während eines Auftrages ausgeht, was ihm in der Arbeitszentrale Ärger einbringt. Beim Mittagessen unterhält er sich mit zwei Freunden über das Schreiben. Während der Eine der Überzeugung ist, das etwas Geschriebenes umzuschreiben Zensur ist, meint der Andere, er würde jedes Wort hundert Mal ändern, bevor er zufrieden ist. Lee entgegnet mit dem Satz: „Jeden vernünftigen Gedanken sollst du vertilgen!“. Er erfährt daraufhin, dass wohl seine Frau an dem Ausgang seines Pulvers schuld sein. Zuhause erwischt er sie dabei, wie sie sich das Zeug aufgelöst in die Brust spritzt. Sie überredet ihn, auch von dieser Droge zu probieren, was er dann auch tut.
Später wird William von der Polizei über seine Drogenvergangenheit verhört. Als die Beamten den Raum verlassen bekommt er von einem riesigen Käfer den Auftrag, seine Frau zu töten, da sie eine Spionin und auch eigentlich gar kein Mensch sei. Danach besucht er Dr. Benway, der ihm eine Art Ersatzdroge gibt, um seine Frau von dem Gelben Pulver abzugewöhnen. Im darauffolgenden, weiteren Drogenrausch erschießt Lee sie, mehr oder weniger unabsichtlich, in den Kopf.
Daraufhin bekommt er den Auftrag, als Agent nach „Interzone“ im Nordwesten Afrikas zu reisen und von dort zu berichten. Dort entfaltet sich eine Spirale aus Drogen, insektoiden Gestalten und Maschinen, Sexualität, vor allem gleichgeschlechtlicher und weiteren, kuriosen Begebenheiten.

Über den Film:
Naked Lunch ist die Verfilmung des gleichnamigen Buches aus dem Jahr 1959 von William S. Burroughs. Der Film zeigt allerdings nicht direkt die Geschehnisse, wie sie im Buch geschildert sind, sondern die Entstehung desselben. Interpretationsstoff bietet Naked Lunch sehr viel. Das hängt vor allem damit zusammen, dass Realität, Wahn und Fiktion durch den Drogenkonsum des Protagonisten immer mehr zu einer Einheit verschwimmen und dadurch eine eigene, von Lee selbst erschaffene Wirklichkeit gezeigt wird. Einige Hauptaspekte sind im Film immer wieder zu finden. Zum einen das Schreiben an sich, mit dem sich William die ganze Zeit beschäftigt, anscheinend relativ unzusammenhängend. Dann vor allem Homosexualität, vor der sich der Hauptcharakter zu Anfang fürchtet, aber gegen Ende ihr immer mehr nachgibt, ohne aber wirklich die letzten Hemmungen vor ihr zu verlieren. Auch Insekten und ähnliche Gestalten, die mal so und mal in einer Art Kreuzung mit Schreibmaschinen auftauchen und man auch nicht immer sicher sein kann, wer gerade schreibt, das Insekt beziehungsweise die Maschine, das Lee hin und wieder Sätze vorgibt oder er selbst. Der letzte, große Aspekt sind die Drogen, die Lee über den Film dauernd konsumiert und damit in immer zwischen anderen Wirklichkeitsebenen quasi wechselt.
Das alles dient der Veranschaulichung des kreativen Schaffens des Schreibers, der in Naked Lunch Darsteller und Autor in einem ist. Die Abschaffung und Zerstörung der Logik, die jedem kreativen Prozess im Wege steht ist ein offensichtliches Ziel Lees durch den Drogenkonsum. Im Film selbst gibt es eine kurze Zwischenszene, in der er wohl klar ist und mit seinen beiden Freunden vom Anfang redet, die ganz begeistert von seinem Geschriebenen sind. Als sie daraus vorlesen, erkennt William und auch ich, der Zuschauer, keine dieser Zeilen.

Hustlers of the World,
there is a Mark, you cannot beat:
The Mark inside …
(William S. Burroughs)

Meinung:
Naked Lunch ist ein kafkaesker Trip durch die Surrealität des Kreativen Schaffens. Pervers, Eklig, Brutal. Viel zu interpretieren gibt es und alles zu verstehen fällt sicherlich recht schwer, vor allem, da es sich um eine Art Biographie William S. Burroughs handelt. Auf jeden Fall ein interessanterer Streifen, das Autor/Akteur Prinzip überzeugt und verwirrt zugleich. Das anfängliche Zitat eines mittelalterlichen, islamistischen Religionsführer (Hassan-I Sabbah) zieht sich wie ein roter Streifen durch den gesamten Film:

Nichts ist wahr; Alles ist erlaubt.